2:1! RB nimmt den Löwen den Sieg aus der Hand

Was war das doch wieder für ein furioses, aber auch kurioses Spiel! Die Hälfte der Spieler krank, dadurch eine Startformation, die eher als Wundertüte denn als klare Aufstellung daherkam. Dazu kamen Chancen, die für vier Spiele gereicht hätten, aber nichts wollte klappen. Und dann noch ein Schiedsrichter, der eine völlig unklare Linie bei der Kartenvergabe fuhr und zu allem Überfluss einen Handelfmeter nicht pfiff.

Aber der Reihe nach. Ralf Rangnick war mit Gulácsi, Orban, Jung, Commper, Klostermann, Nukan, Khedira, Demme, Bruno, Forsberg und Quaschner in die Partie gegangen. Dabei rückte Nukan ein wenig nach vorne ins Mittelfeld, wo er seine Aufgabe recht ordentlich meisterte. Selke war wider Erwarten nicht in der Startelf, weil auch er ein wenig kränkelte und sogar aufs Aufwärmen verzichtete. Trotzdem reichte es immerhin für die Bank, was sich im späteren Spielverlauf noch als sehr nützlich erweisen sollte.

Leipzig machte von Anfang an Druck auf die Münchner, allerdings verloren sich die Bullen immer wieder in der Schönheit. Statt einfach mal aufs Tor zu schießen, wurde immer noch ein Schnörkel und noch eine Schleife gedreht, zu spät abgespielt oder zu ungenau gepasst und man brachte sich so um die verdiente Führung. Demme und Orban scheiterten am Aluminium, Compper köpfte knapp am Tor vorbei, Forsberg konnte mit dem Ball am Fuß super umgehen, beim Abspielen oder gar aufs Tor schießen, hatte er jedoch nicht seinen glücklichsten Tag. Dreimal traf er zwar das Tor, allerdings nur das Nordtor. Und das zählt bekanntermaßen nicht.

Zu allem Pech kam dann noch ein Schiedsrichter, der Gelbe Karten nach Gutdünken verteilte. Nukan erhielt eine, weil er groß ist. Demme eine, weil er Arme hat, und die Münchner keine, obwohl der Winkearm ausgefahren war wie ein Schlagbaum. Was wirklich mehr als nur verwunderte. Da bekommt Diego Demme einen Ball aus einem Meter Entfernung an den Arm geschossen und kassiert gelb. Die fünfte. Und damit ist er in Nürnberg gesperrt. Völlig unnötig. Und an der anderen Stelle schaufelt ein Münchner den Ball im Strafraum mit dem Arm weg und das gesamte Schiedsrichtergespann will es nicht gesehen haben, was alle, aber wirklich alle im Stadion selbst aus weiter Ferne sehen konnten?

Wie dem auch sein, in diesem Moment hatten die Löwen quasi die Hand am Sieg, denn nur wenige Sekunden nach dieser Aktion konterten sie sich in den Leipziger Strafraum. Compper lässt sich überrennen und legt dabei noch den Ball per Kopf vor. Schon klingelt es im Kasten. Nicht gerade eben glücklich. Aber mit Ansage, nachdem es in der ersten Halbzeit schon einmal einen Abwehrlapsus gab, bei dem Gulácsi auch nicht gerade glücklich den Ball nicht wegbekommt und ein Müncher direkt dran stolpert und nur das Aluminium die Null stehen lässt.

Dass nun nach dem 0:1 das Spiel doch noch gedreht wurde, ist eine unglaubliche Leistung der Mannschaft. Eigentlich fühlte es sich schon nach Niederlage an, doch nachdem Selke gegen Nukan eingewechselt wurde, dauerte es nicht allzu lange bis das 1:1 durch eben jenen Selke fiel. Die Lautstärke im Stadion war in diesem Moment beeindruckend. Und die 60er schienen beeindruckt.

Als dann noch Demme einen Traumpass auf Klostermann spielt, der das Ding abgezockt zum 2:1 verwandelt, setzte dem Spiel die Krone auf. In diesem Moment konnte man reihenweise die Steine von den Herzen fallen hören. Mit Fug und Recht kann man von einer sehr emotionalen Partie sprechen.

Besonders gefreut hab ich mich für Idrissa Touré, der zu seinem ersten Einsatz in der Profimannschaft kam. Klar hat er von den Erkrankungen profitiert, aber es zeigt auch, dass man bei den Roten Bullen dem Nachwuchs eine Chance gibt und ihm vertraut. Bei einem 2:1 im Aufstiegskampf nicht selbstverständlich. Ein wenig schade dagegen für Diawusie, der schon bereit stand, um noch ein paar Sekunden wenigstens eingewechselt zu werden, seine Chance allerdings doch nicht bekam, weil das Spiel abgepfiffen wurde. Trotzdem ein klasse Signal an die U19-Spieler.

Nach dem Sieg hat Leipzig nun weiterhin drei Punkte Vorsprung auf Rang zwei und sechs Punkte auf Platz drei, wo mit Nürnberg unser nächster Gegner ordentlich Druck macht. Das nächste Spiel gegen die Franken dürfte also schon ein gewisser Richtungszeig werden. Schaffen es die Rasenballer, dort auch zu gewinnen, dann kann man schon langsam etwas entspannter Richtung Aufstieg blinzeln.

Bildnachweis:

  • RB Leipzig vs. TSV 1860 München: Foto: GEPA pictures/ Roger Petzsche

ABOUT THE AUTHOR: vonStein

Macht Fotos, lebt in Leipzig, redet wirr und mittlerweile auch über Fußball. Igitt!

Kommentar verfassen